BIDT: Digitalisierung durch Corona? Homeoffice im Mai 2021

BIDT: Digitalisierung durch Corona? Homeoffice im Mai 2021
Lesedauer: 4 Minuten.

Während eine fortschreitende Impfkampagne und sinkende Inzidenzen die politische Diskussion über Lockerungen der Homeoffice-Regelungen in Gang gebracht haben, traten erst Ende April 2021 strengere Vorgaben für die Arbeit von zu Hause aus in Kraft. Nicht nur Unternehmen sind verpflichtet, Homeoffice so weit wie möglich anzubieten, auch Beschäftigte sind angehalten, dieses Angebot anzunehmen. Mit seiner vierten Befragung zu Homeoffice in Deutschland untersucht das bidt die Auswirkungen der neuen Homeoffice-Regelungen in Deutschland im Mai 2021.

Homeoffice-Befragung Mai 2021

Sinkende Infektionszahlen und der Impffortschritt in Deutschland haben jüngst eine Debatte darüber entfacht, wie es mit den Homeoffice-Regelungen in naher Zukunft weitergehen soll. So fordert der Bundesverband der Deutschen Industrie ein baldiges Ende der Homeoffice-Pflicht, während der Deutsche Gewerkschaftsbund in den aktuellen Regelungen nach wie vor ein wichtiges Instrument des Arbeits- und Gesundheitsschutzes sieht (Tagesschau 2021). Dabei ist es gerade einmal etwas über einen Monat her, dass am 23. April 2021 die bis dato strengsten Homeoffice-Regelungen in Kraft getreten sind. Danach sind nun nicht mehr nur Unternehmen verpflichtet, Homeoffice so weit wie möglich anzubieten, sondern auch Beschäftigte sind angehalten, dieses Angebot anzunehmen.

Das Bayerische Forschungsinstitut für Digitale Transformation (bidt) hat diese weitere Verschärfung der Homeoffice-Regelungen zum Anlass genommen, um die Verbreitung und Akzeptanz von Homeoffice im Mai 2021 zu untersuchen. Dazu führte das bidt vom 6. bis 28. Mai 2021 – also nach Inkrafttreten der neuen Regelungen – eine repräsentative Kurzbefragung durch. Unter Nutzung von Google Surveys wurden 1.559 erwachsene berufstätige Internetnutzerinnen und -nutzer in Deutschland befragt. Diese Befragung ergänzt die drei im März 2020, im Juni 2020 sowie im Februar 2021 durchgeführten Befragungswellen zum Thema Homeoffice des bidt und erlaubt Analysen im Zeitverlauf der Coronapandemie.

Gegenüber Februar 2021 zeigt sich nur noch ein leichter Anstieg der Nutzung von Homeoffice, vor allem, weil die Arbeitgeberseite die Möglichkeiten der Homeoffice-Nutzung noch einmal erweitert hat. Für eine Homeoffice-Nutzung mehrmals pro Woche ist damit das Nutzungspotenzial voll ausgeschöpft. Mit Blick auf die Zeit nach der Pandemie zeigen die Ergebnisse, dass die überwiegende Mehrheit der Berufstätigen das für ihre Tätigkeiten bestehende Homeoffice-Potenzial auch gerne weitgehend nutzen würde. Rund 72 % aller befragten Berufstätigen, deren Tätigkeit Homeoffice prinzipiell zulässt, sehen ein geeignetes Homeoffice-Angebot bei der künftigen Wahl einer neuen Arbeitsstelle als wichtig an.

Es ist entsprechend davon auszugehen, dass gerade im Wettbewerb um knappe Fachkräfte ein geeignetes Homeoffice-Angebot nach der Coronapandemie zunehmend zu einem Wettbewerbsfaktor für Unternehmen werden wird. Unternehmen müssen dabei nicht nur die Homeoffice-Möglichkeiten an sich, sondern auch die geeignete Ausstattung des Arbeitsplatzes ihrer Beschäftigten zu Hause und den Aufbau von neuen Kompetenzen und Führungsqualitäten im Auge haben. Daneben lässt es auch die als positiver wahrgenommene Einstellung der Arbeitgeberseite gegenüber Homeoffice als unwahrscheinlich erscheinen, dass es nach der Pandemie zu einem kompletten Rückfall in die alten Muster der ausgeprägten deutschen Präsenzkultur kommen wird. Entsprechend sind auch langfristige strukturelle Veränderungen zu erwarten, die Herausforderungen für Wirtschaft und Gesellschaft mit sich bringen werden. Die Forschung sollte diesen Wandel weiterhin aktiv begleiten und Implikationen aufzeigen.

Homeoffice-Nutzung erneut leicht gestiegen

Gegenüber Februar 2021 ist die Nutzung von Homeoffice leicht gestiegen. So befinden sich derzeit 52 % aller erwachsenen berufstätigen Internetnutzerinnen und -nutzer mindestens ab und zu im Homeoffice. Im Vergleich zur Homeoffice-Nutzung während des ersten Lockdowns im März 2020 liegt die Nutzung nun um 9 Prozentpunkte höher. Sie liegt zugleich 17 Prozentpunkte über dem Vorkrisenniveau von 35 %. Die Nutzung von Homeoffice mehrmals pro Woche ist gegenüber Februar 2021 um fünf Prozentpunkte gestiegen. So arbeiten aktuell rund 46 % der berufstätigen Internetnutzerinnen und -nutzer mehrmals pro Woche von zu Hause aus. Dieser Anteil hat sich damit gegenüber der Zeit vor der Coronapandemie mehr als verdoppelt.

Die Auswertung nach Geschlecht zeigt, dass für den erneuten Zuwachs vor allem eine verstärkte Homeoffice-Nutzung bei berufstätigen Männern verantwortlich ist. So steigt bei dieser Gruppe die mindestens gelegentliche Nutzung von Homeoffice gegenüber Februar 2021 um fünf Prozentpunkte auf 55 %, die Nutzung von Homeoffice mehrmals pro Woche um sechs Prozentpunkte auf 48 %. Bei Frauen hingegen erhöht sich die gelegentliche Homeoffice-Nutzung gegenüber Februar 2021 so gut wie nicht und liegt nun bei 48 %. Auch die häufige Nutzung von Homeoffice mehrmals pro Woche bleibt bei Frauen gegenüber Februar 2021 mit 42 % so gut wie unverändert.

Über die gesamte bisherige Coronapandemie zeigt sich, dass Männer offensichtlich flexibler zwischen Homeoffice und der Arbeit vor Ort wechseln als Frauen. In weniger angespannten Phasen der Pandemie kehrten Männer im Vergleich zu Frauen schneller in die Arbeitsstätten zurück, während sie in angespannteren Phasen wieder verstärkt von zu Hause aus arbeiteten. Ein möglicher Grund dafür kann die zusätzliche Belastung vor allem von Frauen durch die Kinderbetreuung sein – gerade wenn pandemiebedingt Kinderbetreuungseinrichtungen nicht den gewohnten Betreuungsumfang anbieten.

Hohe Zufriedenheit im Homeoffice, teilweise abhängig von der Arbeitsplatzsituation

86 % der Nutzerinnen und Nutzer von Homeoffice geben im Mai 2021 an, mit ihrer Situation im Homeoffice eher oder sehr zufrieden zu sein, nur rund 15 % sind es nicht. Die Zufriedenheit ist damit gegenüber Februar 2021 wieder etwas angestiegen und liegt auf dem Niveau von Juni 2020, als ähnlich hohe Zufriedenheitswerte festgestellt wurden. Dabei zeigt sich, dass die Zufriedenheit zumindest einen gewissen Zusammenhang mit der Arbeitsplatzsituation im Homeoffice aufweist. So sind 90 % der Homeoffice-Nutzenden mit einem fest eingerichteten Arbeitsplatz in einem eigenen Arbeitszimmer eher oder sehr zufrieden, während es bei denjenigen mit fest eingerichtetem Arbeitsplatz im Wohnbereich nur 84 % sind. Homeoffice-Nutzerinnen und -Nutzer ohne fest eingerichteten Arbeitsplatz weisen mit 80 % die niedrigsten Zufriedenheitswerte auf. Noch deutlicher sind die Unterschiede bei der Gruppe der sehr Zufriedenen. So sind 58 % der Homeoffice-Nutzenden mit fest eingerichtetem Arbeitsplatz in einem eigenen Arbeitszimmer sehr zufrieden mit ihrer Situation im Homeoffice. Bei denjenigen, die keinen fest eingerichteten Arbeitsplatz zu Hause haben, sind dies nur 32 %.

Weitere Ergebnisse der Studie können Sie hier einsehen.

Dieser Blogeintrag beruht auf einer Meldung des bidt: https://www.bidt.digital/studie-homeoffice4/#einstellung

Abonnieren Sie die Beiträge unseres VINTIN IT-Journals! In Zukunft werden Sie bei neuen Inhalten per Email kurz und bündig informiert.